Australien: Altersgrenze für soziale Medien zeigt kaum Wirkung
Die Autoren kontaktierten 436 australische Jugendliche im Alter von 12 bis unter 17 Jahren kurz vor dem Erlass des Gesetzes und noch einmal etwa drei Monate danach. Die Ergebnisse der Befragung wurden im Juni 2026 im British Medical Journal veröffentlicht.
Ziel war es herauszufinden, ob Jugendliche unter 16 seltener oder weniger lange Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat nutzen. Dazu verglichen sie die Nutzung von Jugendlichen knapp unter und über 16 Jahren mit einer speziellen Statistik-Methode, die den Effekt genau an der Altersgrenze misst.
Mehr als 85 Prozent der unter 16-Jährigen nutzten die betroffenen Plattformen auch nach dem Gesetz weiter. Die meisten loggten sich mit ihren eigenen Accounts ein, obwohl Alterskontrollen stattfanden. Viele berichteten, die Plattformen verlangten oft nur eine einfache Altersangabe oder ein Selfie. Einige Jugendliche umgingen die Regeln mit Fake-Accounts oder dem privaten Browser-Modus.
Die tägliche Nutzung blieb bei den 12- bis 13-Jährigen gleich, ging bei den 14- bis 15-Jährigen etwas zurück und stieg bei den über 16-Jährigen leicht an. Die täglich auf sozialen Medien verbrachte Zeit änderte sich bei den meisten Altersgruppen kaum. Die statistische Analyse fand keinen klaren Sprung oder Rückgang in der Nutzung genau bei der Altersgrenze von 16 Jahren.
Die Autoren fanden kaum Belege dafür, dass das Gesetz bereits zu einer spürbaren Reduktion der Nutzung sozialer Medien bei Jugendlichen unter 16 geführt hat. Sie vermuten, dass die Plattformen die neuen Regeln bisher nicht streng genug umsetzen und viele Jugendliche die Kontrollen leicht umgehen können.
Courtney Barnes et al, Assessing early effects of Australia’s Social Media Minimum Age Act on adolescents’ social media use: observational study. BMJ 2026; 393 doi: https://doi.org/10.1136/bmj-2026-363695