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Die Heilkraft der Berührung

| Redaktion

Körperliche Berührungen steigern das Wohlbefinden und lindern Schmerzen, Depressionen und Ängste.

Das belegt eine umfangreiche Metaanalyse von Studien, die kürzlich in der Zeitschrift Nature Human Behaviour veröffentlicht wurde.

Für die Metaanalyse wurden jahrelange Forschungsarbeiten zur Wirkung unterschiedlicher körperlicher Berührungen ausgewertet. Einbezogen wurden Daten aus 137 Studien mit fast 13.000 Erwachsenen, Kindern und Säuglingen.

Eine Studie ergab zum Beispiel, dass tägliche 20-minütige sanfte Massagen über sechs Wochen bei älteren Menschen mit Demenz die Aggressivität verringern und die Werte eines Stressmarkers im Blut senken. Eine andere stellte fest, dass Massagen die Stimmung von Brustkrebspatientinnen aufhellen.

Besonders deutlich sind die positiven Auswirkungen bei Frühgeborenen, deren Befinden sich durch Hautkontakt "massiv verbessert", so Frédéric Michon, Wissenschaftler am Netherlands Institute for Neuroscience und einer der Autoren der Analyse.

Den Ergebnissen zufolge sprechen erwachsene Kranke stärker auf Berührungen an als Gesunde. Dabei spielt es keine Rolle, wer sie berührt – eine vertraute Person oder eine Pflegekraft. Neugeborene hingegen profitieren von der Berührung ihrer Eltern mehr als von der Berührung eines Fremden.

Frauen scheinen auf Berührungen mehr anzusprechen als Männer. Auch die Häufigkeit der Berührung spielt eine Rolle: Je mehr, desto besser.

Einige in die Metaanalyse einbezogene Studien untersuchten die Zeit der Coronamaßnahmen. Laut Michon fanden sie "Korrelationen zwischen Berührungsentzug und gesundheitlichen Aspekten wie Depression und Angstzuständen".

Die Berührung des Kopfes scheint eine positivere Wirkung zu haben als die Berührung des Oberkörpers. Menschen in Südamerika profitieren tendenziell stärker von Berührungen als Menschen in Nordamerika oder Europa.

Eine Untersuchung kam zum Schluss, dass eine Berührungstherapie bei Frühgeborenen oder Säuglingen mit geringem Geburtsgewicht so früh wie möglich beginnen und mindestens acht Stunden dauern sollte.

Originalveröffentlichung:

Packheiser, J., Hartmann, H., Fredriksen, K. et al. A systematic review and multivariate meta-analysis of the physical and mental health benefits of touch interventions. Nat Hum Behav (2024). https://doi.org/10.1038/s41562-024-01841-8

Pressebericht:

The New York Times