Soziale Medien gefährden kindliches Spielen
Das freie, haptische und gemeinsame Spielen mit Gleichaltrigen oder in der Familie verliere zunehmend Raum, weil Social Media viel Zeit absorbiere. Spielen sei ein zentraler Motor für die kindliche Entwicklung: Es fördere multisensorisches Lernen, soziale Kompetenzen, Regelverständnis, Empathie und Gruppenidentität.
Gerade in der heutigen digitalen Zeit sei echtes Spielen wichtiger denn je, betont der Entwicklungsneurologe PD Dr. Gerhard Niemann, der ehemalige ärztliche Direktor des kinderneurologischen Fachkrankenhauses Schömberg. Wer miteinander spiele, könne sich nicht bekriegen und baue ein übergeordnetes Gemeinschaftsgefühl auf. Social-Media-Spiele könnten das reale, multisensorische Erleben nur bedingt ersetzen, sodass sich kindliche Rezeptoren und langfristig auch die Gehirnentwicklung verändern könnten. Viele positive Effekte des klassischen Spielens – von kognitiver Förderung bis zur Einschätzung familiärer Dynamiken – blieben auf der Strecke.
Als Gegenmaßnahmen schlägt die DGSPJ neben einem möglichen Social-Media-Verbot für Kinder vor allem die Schaffung ausreichender realer Spielräume vor. Eltern, Pädagogen und besonders Kinder- und Jugendmediziner müssten den hohen Wert des Spielens stärker vermitteln und unterstützen. Zudem sollten Mediziner politisch Druck ausüben, damit gesellschaftliche Rahmenbedingungen das freie Spielen wieder stärker ermöglichen – symbolisch am besten, indem im Parlament selbst gespielt wird.