UNICEF: Kinder in Deutschland weiterhin benachteiligt
Das Land bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, weil viele Kinder unter Bedingungen aufwachsen, die ihre Gesundheit, Bildung und Zukunftschancen stark beeinträchtigen. Die Kinderarmutsquote stagniert seit Jahren bei 15 Prozent, während die Einkommensungleichheit weiter gestiegen ist.
Im Bildungsbereich schneidet Deutschland schwach ab: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik – das ist Platz 34 von 41 Ländern. Der Abstand zwischen Jugendlichen aus armen und reichen Familien ist besonders groß.
Auch die körperliche Gesundheit hängt stark vom Familieneinkommen ab – 79 Prozent der reichsten Kinder sind in sehr guter Verfassung, bei den ärmsten nur 58 Prozent.
Beim mentalen Wohlbefinden berichten Kinder aus armen Familien seltener von hoher Lebenszufriedenheit als Kinder aus wohlhabenden Familien. Länder wie die Niederlande, Dänemark, Frankreich, aber auch Portugal und Litauen schneiden deutlich besser ab – teilweise trotz geringerer Wirtschaftskraft.
UNICEF-Geschäftsführer Christian Schneider fordert, die Bekämpfung der Kinderarmut zur politischen Top-Priorität zu machen, weil sonst hohe gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten entstehen.
Die Studie empfiehlt ein ressortübergreifendes Maßnahmenpaket, um benachteiligte Kinder und Familien finanziell besser abzusichern und Leistungen wie Kindergeld einfacher zugänglich zu machen. Bund, Länder und Kommunen sollen dafür sorgen, dass alle Kinder gleichen Zugang zu guten Schulen, Arztpraxen, Spielplätzen und kindgerechten Wohnvierteln haben. Die Interessen von Kindern und Familien sollen stärker in der Politik vertreten werden, zum Beispiel durch Kinderbeauftragte und eine Klarstellung der Kinderrechte im Grundgesetz. Zuletzt muss die Politik die Datenlage zur Situation der Kinder verbessern und die Wirkung von Maßnahmen kontinuierlich überprüfen.
Die Analyse "Report Card 20: Unequal Chances – Children and economic inequality" ist die 20. Ausgabe der internationalen Vergleichsstudie zum Wohlbefinden von Kindern in wohlhabenden Ländern.
Bild: © UNICEF/UNI825032/Etges