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Der Grüne Lernort Lillemor

Eine schulische Alternative

Evi Pfefferle

Das Projekt Grüner Lernort Lillemor hat das Ziel, Kinder und Jugendliche in allen Klassenstufen eine bestimmte Zeit lang, maximal sechs Wochen, außerhalb eines regulären Schulbetriebs zu fördern. Auf der Grundlage der Menschenkunde Rudolf Steiners bieten Pädagog:innen, Therapeut:innen und Ärzt:innen eine schulische Alternative, um eine kreative, zeitgemäße Antwort auf die drängenden Fragen zu geben.

Das Projekt "Grüner Lernort Lillemor" ist eine Initiative von Pädagog:innen, Heilpädagog:innen, Therapeut:innen, Ärzt:innen und Erzieher:innen auf der Grundlage der Menschenkunde und Pädagogik Rudolf Steiners.

Es möchte eine Antwort auf die drängenden Fragen unserer Zeit im Hinblick auf die kindliche Entwicklung und auf altersgemäßes Lernen geben. Medienkonsum, Zeitmangel, Beschleunigung von Abläufen, Reizüberflutung und Stress führen dazu, dass Kinder kaum noch Zeit zum Verarbeiten von Eindrücken haben. Sie können nicht mehr richtig abschalten und Störendes aussortieren. Dadurch kommt es zu einer Überforderung bei den Betroffenen, die sich auch auf das Umfeld auswirkt. Die Zahl der bewegungshungrigen und hypersensiblen Kinder im Regelschulbereich sowie der Kinder mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" und "Sozial-emotionale Entwicklung" im Förderschulbereich haben in den letzten Jahren zugenommen und stellen Eltern, Lehrkräfte, die Klassengemeinschaft und das Kind selbst vor große Herausforderungen und Aufgaben in der Schulzeit.

Seit gut zwei Jahren besteht der Grüne Lernort Lillemor und ermöglicht auf einer 3,5 ha großen Freilandfläche eine Vielfalt an Nutzungs- und Entwicklungsräumen: Versorgung von Tieren (Esel, Hühner, Wollschweine und Ziegen), Ackerflächen, Folientunnel für Kräuter und Feingemüse, Obstwiesen und eine Jurte als Klassenraum.

Es besteht eine Kooperation mit der Rudolf-Steiner-Schule Nienstedten, zusätzlich werden uns Kinder aus etwa acht anderen Regelschulen geschickt, die beispielsweise familiäre Probleme haben oder mit coronabedingten Nachwirkungen kämpfen, emotional-soziale Auffälligkeiten zeigen, noch nicht schulreif sind oder die Fünf-Tage-Woche in der Schule kräftemäßig nicht bewältigen können. Immer mehr Eltern, Klassen- und Förderlehrer:innen suchen einen Lillemor- Aufenthalt als prophylaktische Maßnahme auf.

Es gibt zwei Modelle, die für jedes Kind individuell mit den Eltern und Klassenlehrer:innen festgelegt wird: Entweder kommen die Kinder für eine Epoche jeden Tag von 8:00–12:30 Uhr oder sie sind einen Tag pro Woche im Projekt.

Manche Kinder waren über ein Jahr bei uns, zum Beispiel am Mittwoch oder Freitag und können jetzt wieder gestärkt die Fünf-Tage-Woche in ihrer Schule durchstehen.

Unser Ziel ist eine Öffnungszeit für alle Wochentage bis 16 Uhr, was aus personellen Gründen im Moment allerdings nur an einem Wochentag realisierbar ist.

Auch in Waldorfschulen wird viel gesessen, geschrieben und mit dem Kopf gelernt. Nach etwa 20 Jahren Klassenlehrerdasein habe ich Menschen gefunden, die unseren Schulkindern zusätzlich zur Schule das Erleben der Natur, eine Verantwortung für Tiere und das Eintauchen in den Jahreskreislauf wünschen. So ist es vor vier Jahren zur Gründung des Vereins gekommen.

Inzwischen werden uns auch Kinder geschickt, die präventiv einmal in der Woche auf dem Acker sind, um ihre Willens- und physischen Kräfte zu stärken.

Es gibt auch ein Nachmittagsprogramm, pädagogische Arbeit mit den Eltern, Zirkus- und Musikprojekte in den Sommerferien und viele Veranstaltungen wie Sternenkunde, Vogel- und Kräuterseminare und Adventssingen in der Jurte.

Die Aufgabenbereiche unserer Mitarbeiter:innen

Landbau: Ein Landwirtschaftsmeister bespricht und betreut die Aufgaben der Gruppen zur Bodenbearbeitung, Bepflanzung, Ernte und Fruchtverarbeitung. Hier erleben die Kinder den Lauf der Jahreszeiten und die Wertschöpfung aus der Natur.

Tierpädagogik: Eine pädagogische Fachkraft kümmert sich in kleinen Gruppen um das Wohl der Esel, Hühner, Katzen und Ziegen. Hier erleben die Kinder die Notwendigkeit der Pflege und Versorgung für die domestizierten Tiere und erhalten als Erwiderung Wärme und Zuneigung.

Unterricht: Pädagog:innen mit einer Waldorflehrer:innen-Ausbildung und Berufserfahrung unterrichten die Lerngruppen in praktischer Mathematik, Deutsch, Geschichte, Geographie, Tier-, Pflanzen- und Gesteinskunde, Musik und Kunst. Die Mindestanforderungen an die unterrichtenden Pädagogen und Pädagoginnen am Grünen Lernort sind: Ein abgeschlossenes, pädagogisches Studium (erwünscht an Waldorflehrerseminaren).

Praktika: Oberstufenschüler:innen der einzelnen Schulen können sich für das Sozialpraktikum bewerben. FSJ-ler:innen und Praktikanten unterstützen unsere Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen und auf dem Gelände.

 

Stimmen

"Ich bin so gern in Lillemor, weil ich die Tiere so lieb hab. Bald mache ich meinen Meerschweinchen-Führerschein!" (L., 4. Klasse)

"Hier bin ich immer an der frischen Luft, hier kann ich rumrennen, das find ich cool." (E., 3. Klasse)

"Das Ziegenführen ist echt schwierig, die sind ganz schön bockig. Doch wenn ich still bin und höre, wohin sie gehen wollen, sind wir gute Freunde." (K., 5. Klasse)

"Am liebsten schmuse ich zwei Stunden mit Kater Kali, dann bin ich ruhig und ausgeglichen." (F., 9. Klasse)

"Mein Kind kommt richtig kaputt, erfüllt und mit roten Backen am Lillemor-Tag nach Hause." (Mutter eines Kindes)

"Hätte es in meiner Schulzeit ein Lillemor gegeben, hätte ich kein Ritalin genommen!" (ein Vater)

"Es ist unglaublich spannend, wie sich jedes einzelne Kind hier von Woche zu Woche entwickelt!" (eine Betreuerin)

"Seine Schrift hat sich wesentlich gerundet, ist viel gleichmäßiger geworden und das Kind kam ausgeglichener und stabiler wieder." (Beobachtung einer Klassenlehrerin eines Viertklässlers, der vier Wochen in Lillemor verbracht hatte.)

"Wir haben in der 1. Klasse immer wieder in Abschnitten drei Kinder zum Nachreifen nach Lillemor geschickt. Sie waren im Klassenverband nicht integrierbar. Jetzt erst können sie wieder einen Rhythmischen Teil mitmachen!" (Klassenlehrer, 2. Klasse)

"Eigentlich müssten alle Kinder einmal nach Lillemor kommen!" (Michaela Glöckler, Schirmherrin von Lillemor)

Zur Autorin:

Nach ihrer jahrelangen Tätigkeit als Professorin für Blockflöte- und Kammermusik an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und einer berufsbegleitenden Ausbildung zur Waldorflehrerin übernahm Evi Pfefferle 1999 die erste Klasse in der Rudolf Steiner Schule Hamburg-Nienstedten. Sie gibt regelmäßig Fortbildungskurse für Klassen- und Musiklehrer:innen in Hamburg. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Lehrerseminar und der Musikausbildung MenschMusik betreut sie zahlreiche Studenten. Im Oktober 2020 gründete sie zusammen mit der Therapeutin Eva Marie Batschko und zahlreichen Mitarbeitenden den Verein Grüner Lernort Lillemor e. V.

Grüner Lernort Lillemor e. V.

Das Projekt: Alternativer Lernort

Ort: Hamburg

Aktivität: Förderschwerpunkt "Lernen" und "Sozial-emotionale Entwicklung"

Kontakt: Evi Pfefferle (Email)

Fotos: Autorin

Grüner Lernort Lillemor e. V.
Sülldorfer Kirchenweg 158 A
22589 Hamburg

Internet: ➤ Grüner Lernort Lillemor

Resilienzförderung durch:

  • Land- und Gartenbau
  • Tierpädagogik
  • Lerngruppen
  • Salutogenese
  • Ferienprojekte
  • Zirkus- und Musikprojekte
  • Praktika für Oberstufenschüler