Zum Hauptinhalt springen

Ein zauberhafter Ort für Kinder

Gründung eines Wald-Kindergartens mit Jurte und vollwertiger Küche im Zukunftsdorf Sonnerden

Armin Steuernagel

Mitten in der hessischen Rhön auf 600 Metern Höhe liegt das Zukunftsdorf Sonnerden. Hier wird seit 2020 auf fünf Hektar mitten in der Natur, umgeben von Wäldern und Feldern ein neues Dorf gemeinschaftlich aufgebaut – mit Seminarhaus, Co-Working, rund 25 Kindern und 35 Erwachsenen. Um diesen Ort und unsere Versuche einer naturnahen waldorfpädagogischen Erziehung mit der Region zu teilen, gründeten wir den Kindergarten Sonnerden e.V.

Bis zum Schluss mussten wir zittern, ob Baugenehmigung, Freigaben der Behörden und Spenden für das Projekt tatsächlich auch kommen. Schließlich wollten wir am Waldrand, im Außengelände mit einer besonderen Genehmigung nicht nur eine vollgedämmte 50 Quadratmeter große Jurte bauen, sondern auch mit einer gastro-tauglichen Küche ausstatten, damit dort täglich konform aller Hygiene- und Lebensmittelvorschriften für die Kinder gekocht werden könnte – wodurch Abwasser und Zuwasser und Baggerarbeiten nötig wurden). Uns war und ist zentral, dass Kinder in unserer immer digitaleren und entfremdeteren Welt Lebensprozess miterleben dürfen – vom selbst Einpflanzen der Saat bis zur Zubereitung des Mittagessens.

Wir haben bewusst eine kleine Gruppengröße (15 – 17 Kinder), einen eigenen Garten, ein Kompostklo und ein Dorf und viel Natur um uns herum. Täglich können wir die Hühner besuchen und versorgen und in der Natur den Rhythmus der Jahreszeiten erleben.

Zur Eröffnung des Kindergartens dankte uns die Lokalpolitik genau deshalb für die Schaffung eines solchen Ortes. Es gab viel Anerkennung für die enorme Kosteneffizienz (nur 5 –10 Prozent des Budgets für eine normale KiGa-Gruppe der Gemeinde bei Inbetriebnahme) und die Pünktlichkeit des Projekts. Dank der Flexibilität von Behörden und der Unterstützung von Spenderinnen und Spendern und viel ehrenamtlichen Engagements konnten wir Mitte September die ersten Kinder begrüßen. Seither kommen die Kinder täglich zwischen 8:00 Uhr und 12:30 Uhr bzw. 14:30 Uhr in den Kindergarten.

In unserem Kindergarten ermöglichen wir den Kindern Tag für Tag die eigene Wirksamkeit zu erleben, ob beim Backen und Kochen, beim Anpflanzen und Ernten, beim Bauen von Höhlen oder beim Aquarell-Malen. Wichtig ist dabei nicht nur, dass diese Prozesse in einem sinnhaften Zusammenhang stehen, wenn etwa die Brötchen fürs Frühstück gebacken oder die Möhren fürs Mittagessen geschält werden, sondern dass die Kinder auch erleben können, dass die Vorgänge des alltäglichen Lebens verstehbar sind. Während in der Welt jenseits des Kindergartens für Kinder (und Erwachsene) oft nicht nachzuvollziehen ist, wie das Gemüse ins Supermarktregal oder das Auto von A nach B kommt, sind sie in unserem kleinen Kindergarten so weit wie möglich transparent und nachvollziehbar: Das Holz wird gehackt und brennt später im Ofen, um uns zu wärmen, Obst und Gemüse werden von Kindern und Erwachsenen gemeinsam geschnitten, um später verzehrt zu werden, da macht auch das Kompostklo keine Ausnahme. Dabei geht es nicht nur um die Befriedigung der basalen Bedürfnisse, sondern auch um die Selbstwahrnehmung im Zusammenspiel mit der Welt. Die sinnlichen Erlebnisse beim Spiel am kleinen Bach, das Wandern durch die Welt am wöchentlichen Wandertag helfen den Kindern, sich mit der Welt in Verbindung zu bringen. Das montägliche Aquarell-Malen steht nicht nur für die Schulung der Farbwahrnehmung oder für die Begegnung mit dem Wesen der Farben, sondern bringt die eigene innere Tätigkeit sinnlich zum Ausdruck. All das wird begleitet von Fingerspielen, Liedern und Sprüchen. Das Kohärenzgefühl zu stärken – darin erkennen wir unseren pädagogischen Auftrag.

Elternstimmen

"Wir haben zuerst versucht A. in einem größeren Kindergarten einzugewöhnen. Eine Woche stand sie nur da, nicht fähig zu irgendeiner Regung aufgrund der vielen Eindrücke. Annäherungsversuche von Kindern und Erwachsenen ignorierte sie. In Sonnerden lebte sie sich sofort ein und fing gleich an mit den anderen Kindern zu spielen."

"Unser Kind bringt immer wieder Sprüche und Lieder aus dem Kindergarten mit nach Hause. Plötzlich werden ihre Finger zu Zwergen oder ihr Arm zu einem Baum, der geschüttelt wird."

"Lange haben wir gehofft, dass der Kindergarten verwirklicht werden kann. Nun hat unser Kind einen wundervollen magischen zauberhaften Ort, an dem es behütet und wohl begleitet drei Jahre des so wertvollen kleinen Lebens verbringen darf."

Wald-Kindergarten Sonnerden

Das Projekt: Wald-Kindergarten mit Jurte und vollwertiger Küche

Aktivität: Naturnahe waldorfpädagogische Erziehung

Ort: Gersfeld

Kontakt: Email

Fotos: Sonnerden e.V.

Anschrift: Wald-Dorf-Kindergarten Sonnerden e.V., Bodenhof 115, 36129 Gersfeld

Info: 0177 9737748

Resilienzförderung durch:

  • Backen, Kochen, Anpflanzen, Ernten
  • Beziehung zur Natur im Kindergarten pflegen