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Schule als Lebensort

Das Waldhof-Projekt in Kassel mit Erst- und Zweitklässlern

Schon zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit als Lehrerin an einer Waldorfschule und besonders als Klassenlehrerin dachte ich viel darüber nach, ob es möglich ist, Schule und individuelle gesunde Entwicklung des jungen Menschen noch mehr zusammenzubringen.
Dabei wurde mir schnell klar, dass Schule in vielen Bereichen komplett neu gedacht werden muss – und nicht nur gedacht, sondern auch mutig neu gelebt. Was sich aber von den vielen Ideen verwirklichen lässt, blieb im Schulalltag immer wieder fraglich.

Katia Hornemann, Klassenlehrerin

So arbeitete ich mich in meinem ersten Durchgang mit den zwar schon bestehenden Fragen erst einmal in meinen Berufsalltag ein und lernte die Gewohnheiten und bestehenden Traditionen des Schulvormittags an einer Waldorfschule kennen.

Bei den vielen Besonderheiten des Haupt- und Fachunterrichts erlebte ich, dass es Elemente gab, die unbestritten eigentlich alle Kinder ansprachen und somit sinnvoll schienen. Andere Elemente weckten in mir die Frage, ob wirklich alle alles machen müssen, auch wenn der Waldorf-Lehrplan menschenkundlich abgestimmt und an das Alter der Kinder angepasst ist.

Ein kleines Beispiel: Beim Schrift-Spracherwerb nahm ich wahr, dass Kinder unabhängig von ihrem individuell differenzierten ‚Wissensstand‘ das bildhafte Einführen der Buchstaben in Form einer Geschichte liebten. Es gibt Kinder, die in die Geschichte hineinträumen, das Zwerglein, das eigentlich die Buchstaben der Reihe nach einführt, in ihr Herz schließen, in ihrer Phantasie weiterleben lassen, ihm eine Familie schenken, eine schön eingerichtete Höhle und vieles mehr. Es entstehen wunderschöne detaillierte Bilder oder im Wald Zwergenhöhlen zum Gehörten. Dann gibt es Kinder, die der Geschichte inhaltlich andächtig lauschen, und dabei gleichzeitig, wie von der Lehrerin inauguriert, eine Häufung eines bestimmten Lautes hören und im Lauf der Zeit verstehen, dass es darauf ankommt, diesen Laut womöglich zu ‚erraten‘. Manche von ihnen gehen mit der Zeit dazu über, die Buchstabengeschichte mehr als Ratespiel zu verstehen und möglichst als erster, den neuen Laut zu erkennen. Wieder andere Kinder hören von Anfang an weniger auf den Inhalt der Geschichte und verbinden sich auch nicht so sehr mit dem Zwerg oder einer anderen ‚Hilfsgestalt‘, sondern hören schon analytisch auf die Art des Erzählens, denn das Entscheidende für sie ist der Buchstabe, den ‚wir heute lernen‘. Es kann vorkommen, dass ein Kind aus dieser Gruppe passende Worte zur Geschichte beiträgt oder fragt, ob es selbst einmal eine Geschichte erzählen und einen Buchstaben einführen darf. Wahrscheinlich gibt es noch mehrere Nuancen – gemein ist den Kindern in dieser Situation meiner Beobachtung nach, dass sie sich allesamt angesprochen fühlen, mit dem Stoff etwas anfangen und das Aufgenommene für sich bereichernd verwenden können.

Im methodischen Fortgang ändert sich dies in meiner Erfahrung stufenweise. Auf dem Weg zum abstrakten Buchstaben gehe ich als Lehrerin über das nun gemalte Bild, in welchem der bisher gehörte Laut als Buchstabe sichtbar wird: Das B im gemalten Bären, das R im Riesen, das V im Vogel in den Lüften. Einige Kinder malen hoch motiviert die Vögel, die als deutlich sichtbares V durch die Luft ziehen und das Bild dominieren, dazu noch eine Bergkette, die sie mir stolz ebenfalls als V vorstellen. Andere bleiben aber in ihrer Geschichte, das Zwerglein in der Höhle ist ihnen viel wichtiger, und weil es gerade Nacht ist, sind die Vögel in ihren Nestern und schlafen. Andere Kinder, die schon längst den Buchstaben erkannt hatten, bekommen keinen Zugang zum gemalten Bild; bei ihnen sieht man ein (womöglich ordentliches) V aber kaum eine farbenfrohe gemalte Umgebung. Diese Kinder freuen sich, wenn es endlich ans Schreiben des Buchstaben geht; es kann ihnen kaum schnell genug gehen – am besten soll gleich ein Wort geschrieben werden. Da verlieren die erstgenannten Kinder bereits komplett das Interesse, entweder sie lassen sich ‚fremd bestimmen‘ und machen das dann lustlos und nicht wirklich erfolgreich, oder sie sträuben sich, ‚stören‘ (ist das vielleicht ‚gesünder‘?) – das kann im Lauf der Jahre bis zur Verweigerung gehen.

Abgesehen davon, dass man sich bei dem angeführten Beispiel fragen kann, ob es im Sinn einer wirklichen Menschenkunde tatsächlich das Ziel sein kann, alle Kinder dazu zu führen, den Buchstaben zu lernen, wo wir mit dem Schreiben und Lesen in den unteren Klassen doch einen der Kompromisse eingehen, die Steiner immer wieder als leider notwendig nennt in dem Schulsystem, in dem wir uns zurechtfinden müssen, stellt sich für mich die Frage: Werde ich dem Kind gerecht, das offensichtlich einen anderen Bedarf hat, als das zu lernen, was ich gerade anbiete? Nein, das werde ich nicht, und es gehört schon Mut dazu, daraus zu folgern, dass ich dann in der Konsequenz dieser Erkenntnis doch meinen Unterricht ändern muss. Ein langer Weg, der noch nicht zu Ende ist.

Auf meinem Suchweg hatte ich, auch im weiteren Umkreis der Waldorfpädagogik, verschiedene  Gedankenansätze kennengelernt, die mich in meinen Fragen und Beobachtungen deutlich bereicherten. Das selbstverantwortliche Lernen, Selbstorganisation von Anfang an und die für mich dahinter erkennbare Haltung, dass das Kind selbst am besten weiß, was es lernen will auf seinem Weg; dass unsere Aufgabe ist, es dabei zu begleiten, ihm den Raum zu schaffen, sich ‚entwickeln’ zu können. Später den Ansatz der Handlungspädagogik, der dem Kind (eigentlich anknüpfend an die Selbstorganisation) in einer arbeitsamen Umgebung den Freiraum bietet, da anzuknüpfen, wo es für den einzelnen stimmig ist. Dass gerade für den letztgenannten Gedanken die Schulumgebung im klassischen Sinn denkbar unpassend ist, zeigt sich schnell. Da erlebt das Kind niemanden, der etwas wirklich tun würde – vielleicht der Hausmeister oder der Schulkoch.
 

Meine Arbeit als Klassenlehrerin

Seit anderthalb Jahren bin ich nun Lehrerin an der Waldorfschule in Kassel und darf eine Klasse als Klassenlehrerin begleiten, die inzwischen mitten im zweiten Schuljahr ist. Die Kinder dieser Klasse begannen ihr Schulleben bereits in Corona-Zeiten und mussten bisher alle uns bekannten Vorgaben und Nuancen mitmachen. Für mich war das ein weiterer äußerer Anlass, nach Möglichkeiten zu suchen, den gegebenen Strukturen im Klassenzimmer zu entkommen. Dabei kam mir die wunderbare naturnahe Lage der Kasseler Waldorfschule zugute und auch ein nahe gelegener Hof, der eigentlich ein Gärtnereibetrieb ist: Der Waldhof, der Demeter-Saatgut züchtet, aber auch Hühner und Schafe beherbergt und Studienort des Rudolf-Steiner-Instituts (RSI) für Waldorferzieher*innen ist.

Über einige Kontakthilfen meldete ich mich bei Thomas Mauer, Verantwortlicher des Hofs und Dozent am RSI. Auf mein Anliegen, regelmäßig, etwa einmal wöchentlich zu kommen und den Waldhof-Vormittag als Lernort zu gestalten, reagierte Thomas eher ungläubig. Ob wir das auch durchhalten würden? Ob dieses Vorhaben nicht etwas ambitioniert sei? Wir wollten es versuchen.

Im März 2021 begannen wir mit unseren Mittwochs-Wanderungen; die Schule musste inzwischen Corona-bedingt schließen, d.h. sie durfte nur eine sogenannte ‚Notbetreuung’ anbieten, in welcher es ohnehin gerne gesehen war, dass die Kinder möglichst viel Zeit draußen verbringen. So kam zunächst nur diese Gruppe, die anfangs aus etwas mehr als der Hälfte der normalen Klassenstärke bestand (ca. 18 Kinder), in den Genuss auf dem Waldhof zu arbeiten.

In einem Elternabend besprach ich mein Anliegen mit den Eltern, die diesen Ansatz sehr unterstützten und im Lauf der Zeit viele positive Rückmeldungen hinsichtlich der Entwicklung ihres Kindes gaben.

Parallel dazu setzte ich mich mit den Grundlagen der Praxisforschung auseinander und begann das Projekt auch in Forschungs-Tagebuchform zu dokumentieren.

"Unser Sohn liebt das Arbeiten mit der Schaufel auf dem Waldhof. Immer wieder kommt er an Waldhoftagen stolz nach Hause und berichtet von dem, was er getan hat oder lässt uns an den Früchten seiner Arbeit teilhaben: Apfelsaft, Tomatensamen ...
Natürlich ist es wichtig, dass unser Sohn Lesen, Schreiben, Rechnen usw. lernt. Der Sinn dieses Lernens erschließt sich ihm jedoch häufig nicht unmittelbar. Auf dem Waldhof erlebt er den Sinn seiner Anstrengung ganz konkret und erntet – sichtbar – Früchte."

aus einem Elternbericht

Der Weg geht morgens von unserem üblichen Treffpunkt an der Drusel, einem kleinen Flüsschen etwa einen Kilometer von der Schule entfernt, die Wigantstraße entlang, entweder durch den Bergpark vorbei am Schloss, Gewächshaus und Marstall hinunter durch die Apfelwiesen in die Nussallee, oder direkt von der Wigantstraße entlang der Endstation der Straßenbahnlinie 1 übers Feld. Während der Zeit der Notbetreuung fand dies mit der gesamten Gruppe statt, in normalen Unterrichtszeiten geht im wöchentlichen Wechsel die halbe Klasse zum Waldhof, die andere Hälfte spielt in dieser Zeit im nahegelegenen Steinbruch, begleitet von unserer Klassenhelferin oder/und begleitenden Eltern.

Bereits der Fußweg hin und zurück, jeweils ca. 2,5 Kilometer, ist Teil der Lernerfahrungen am Vormittag. Wir beobachten die Enten an den Bachläufen, sehen Schwäne auf dem Lac, lauschen den zwitschernden Vögeln, besuchen Pferde auf der Weide und erleben die Bäume im Wandel des Jahreslaufs. Auf Gehwegen lernen wir uns geordnet und umsichtig zu verhalten, auf Feld und Flur haben wir Raum für freie individuelle Bewegung.

Meist noch bevor wir uns trennen, machen wir ein kleines Frühstücks-Picknick am Waldrand. Nach dieser Stärkung geht die eine Klassenhälfte auf den Hof; die Hunde begrüßen uns freudig bellend und die Kinder legen ihre Rucksäcke ab. Dann zeigen uns die hier tätigen Menschen die Arbeiten, die heute zu tun sind und die Kinder entscheiden sich für eine davon. In der Regel gibt es mehrere verschiedene Arbeiten, manchmal auch eine für alle.

Im Frühling musste nach dem Baumschnitt das Brennholz gesammelt, mit Säge oder Astschere zerkleinert und auf einen großen Wagen verfrachtet werden – später einmal im Sommer machten wir an einem großen Feuer Stockbrot.

Die Hühner müssen gefüttert werden – wir sammelten Eier, die wir für das Osterfest mitnehmen und in der Klasse mit Zwiebelschalen färben konnten. Über die Woche hatte der Fuchs die Gans geholt, später einmal auch einen Teil der Hühner – aber zum Glück nicht die kleinen Küken, die wir von ganz klein auf erleben und pflegen durften. Thomas Mauer erzählte den Kinder, wie der Fuchs in seinem Bau hungrige Junge hat, die er versorgen muss; wir aber wollten die Hühner beschützen und halfen, einen neuen sicheren Zaun zu ziehen.

Dann wurde Erde geschaufelt und Sonnenblumen wurden gesät, Tomaten ebenfalls, Bohnen- und Kürbissamen in die frisch duftende Erde gelegt und in Anzuchtpaletten, die dann plattenweise ins Gewächshaus kamen. Später wurden die Jungpflanzen umgetopft, bis sie zuletzt ins Freie kamen, erblühten und im Herbst sich zur Ernte bereitmachten.

Dass der Boden für bestimmte Pflanzen vorzubereiten ist, wurde durch das Tun erlebt – für die Tomaten im Gewächshaus etwa mit Wolle, Pferdemist und Komposterde, damit die jungen Pflanzen die für sie wichtigen Nährstoffe erhalten. Auch Saatgut wurde übers Jahr geerntet: Winterlinge und Löwenzahn, Riesenbohnen, Kapuzinerkresse, Kürbis – um nur einiges zu nennen.  So erleben die Kinder den Kreislauf von Werden, Vergehen und neuem Leben.

Ebenso erlebten die Kinder mit, wie einer der beiden geliebten Hunde starb, Wanja, dessen Grab sie liebevoll schmückten und für den Bilder gemalt und Briefe geschrieben wurden.

 "'Heute ist Mittwoch, endlich wieder Waldhoftag!' Zielstrebig und tatkräftig marschiert mein Kind los in die Schule, um von dort zum Waldhof zu wandern.
Nach Schulschluss kommt mein Kind heim. Sie hat rosige Wangen und ganz matschige Kleidung. Manchmal sind sogar in ihrem Gesicht Spuren von Schlamm und Erde zu sehen. Erschöpft und hungrig wirft sie den Rucksack in die Ecke und sagt: "Heute war wieder ein richtig toller Tag!"
Sie ist zufrieden und in sich ruhend. Ich weiß nicht genau, was sie den Vormittag über auf dem Waldhof erlebt hat, jedoch scheint es sie innerlich zu berühren und glücklich zu machen. Und genau solche Lernorte benötigen wir mehr denn je in der heutigen Zeit."

aus einem Elternbericht

Als im Mai die Schafe, die in einem Stall überwintert hatten, auf den Waldhof kamen, begrüßten die Kinder sie mit großer Empathie und lernten kennen, wie diese Tiere reagieren, wenn man zu ihnen geht, wie man sich verhalten muss, damit sie zutraulich werden, wie sie sich anfühlen, was sie gerne fressen. Ein Kind bemerkte, dass ein Lämmchen hinkte und wollte sich darum kümmern. Einzelne Schafe bekamen Namen.

Im Sommer wurde eine Ulme gefällt, ein großes Ereignis, das einzelne Kinder kaum den nächsten Mittwoch erwarten ließ. Weit bis ins neue Jahr hinein war es immer wieder Aufgabe, Äste der Ulme zu zersägen und damit für Brennholz und Wärme in der Stube des Waldhofs zu sorgen.

Zur Erntezeit war über mehrere Wochen ein großes Ereignis die Apfelernte: So viel unterschiedliche Apfelbäume und -sorten wachsen auf dem Waldhof; und dann das Saftpressen mit allem, was dazu gehört. Dieser Apfelsaft ist der beste der ganzen Welt!

Auch Regen und Kälte waren Erlebnisse. Im Herbst wurden mit Studierenden aus Blättern Laternen gebastelt, und ein großer Laternenumzug mit Eltern und Geschwistern nach einem  Martinsspiel bei einbrechender Dunkelheit bleibt als beeindruckendes Erlebnis in den Kinderseelen zurück.

Ich beobachte bei den Kindern, dass sie durch die körperliche Tätigkeit in der unmittelbaren Auseinandersetzung mit der Erde und mit der Natur eine Form von Selbstwirksamkeit erleben, die sie direkt wahrnehmen können. Es ist sinnvolle Arbeit, die hier getan  wird und die Menschen, die hier tätig sind, wurden bald zu nachahmenswerten Vorbildern.

Die Kinder haben die Möglichkeit, an der Stelle einzusteigen und selbst tätig zu werden, an der es für sie stimmig ist. Das kann sehr unterschiedlich sein und reicht von zupackender, physisch anspruchsvoller Arbeit bis hin zu hingebungsvollem Sammeln von Hühnerfedern. Es besteht kein Zwang, etwas Bestimmtes zu tun – manches Mal sitzt ein Kind am Feldrand und schaut uns zu – auch das eine Art des Lernens und Aufnehmens.
 

Zurück ins Klassenzimmer

Zurück im Klassenzimmer schauten wir tags darauf auf die Ereignisse auf dem Waldhof und im Steinbruch. Eine Schülerin hatte zu Hause ein Tagebuch über den Waldhof angelegt, bereits einige Seiten gefüllt und zeigte es in der Klasse.

Das wirkte ansteckend auf andere Kinder und hatte zur Folge, dass wir entschieden, im Unterricht Tagebücher künstlerisch zu gestalten und ab jetzt immer am Tag nach dem Waldhoftag an den Tagebüchern zu arbeiten.

Wir erzählten uns, was wir getan, erlebt hatten, was wem besonderen Spaß gemacht hatte, was gelungen war usw. Jetzt begann etwa ein Kind damit, zu sagen, worüber es im Tagebuch etwas malen oder schreiben will und in der Regel entschieden einige Kinder, sich dazu zu gesellen. So ging es weiter, bis sich vier bis fünf Gruppen gebildet hatten. Diese setzten sich jetzt jeweils zusammen an einen Gruppentisch und begannen.

In dem nun folgenden, vollständig selbstorganisierten Arbeitsprozess konnten ganz unterschiedliche Dinge entstehen. Es gibt Kinder, die ganz für sich unverzüglich beginnen zu malen oder (besonders zur 2. Klasse hin) zu schreiben, andere besprechen sich mit ihrem Nachbarn oder der Gruppe, entweder auf der Suche nach einer guten Idee, oder weil sie die eigene gute Idee den anderen mitteilen wollen – etwa ein großes Bild mit aneinander geklebten Blättern gemeinsam zu gestalten. Bald wusste man auch, wer beim Malen, Schreiben oder als Ideengeber als Orientierung dienen kann. Das wurde dann genutzt. So wurden soziale Gemeinschaftsprozesse selbstständig in Gang gesetzt.

Die einen schreiben drauflos, andere wollen wissen, "wie man das richtig schreibt". Ein Kind stellte im Lauf der Zeit fest, dass es lieber allein an einem Bänkchen arbeitet. Sie bekam die Möglichkeit dazu und vertiefte sich in ihre Tätigkeit, bekam mitunter Besuch von einem bewundernden Zuschauer oder ging selbst herum, um bei anderen zu schauen.

Ein Junge fragte einmal, ob er heute etwas ganz anderes schreiben dürfe und vertiefte sich dann da hinein. Fast erleichtert zeigte er mir sein Werk und ich fragte mich betroffen, was gewesen wäre, wenn ich ihn genötigt hätte, das Gleiche wie die anderen zu machen. Die Kinder sind ungeheuer stolz auf ihre Werke und zeigen sie gerne.

Beim Reflektieren dieses Projektes scheint mir als Begleiterin, dass die Kinder in der Zeit auf dem Waldhof die Möglichkeit haben, durch sinnvolles Handeln zum für sie selbst spürbar sinnvollen Lernen zu kommen – zu einem selbstbestimmten Lernen, das für sie wichtig ist, um sich als aktive, als heilsam wirkende Menschen zu erleben. In den Waldhoftagebüchern zeigt jedes Kind individuell, was ihm wichtig ist. Beim Malen und Schreiben kommt das zum Ausdruck und ich bin erstaunt, mit welch innerer Kraft und Motivation da gearbeitet wird.

Mir scheint, dass Kinder sich auf diesem Weg des Tätigseins mehr selbst fühlen können und ein Vertrauen entwickeln, dass sie als tätige Menschen hier auf der Erde gebraucht werden und eine sinnvolle Aufgabe haben.

Facts

Ansprechpartner:Katia Hornemann
Projektort:Kassel, Hof des Rudolf-Steiner-Instituts
Projektzeitraum:ganzes Jahr, einmal pro Woche
Aktivität:#unterstufe, #hoftag, #draußen
Fotos:privat