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Waldorfwaldkindergarten "Sonnenwiese"

Die Kinder des Waldorfwaldkindergartens "Sonnenwiese" in Freiburg gehen täglich wandern. Susanne Vieser im Gespräch mit Arne Brinkmann.

Was ist aus Deiner Sicht der wesentlichste Faktor Eures täglichen Wanderweges zum und vom Waldplatz auf der Anhöhe für eine gesunde Entwicklung der Kinder?

Arne: Neben der frischen Luft, dem Naturerleben und dem innigen Jahreszeitenerleben ist es die Bewegung der Kinder. Bewegung auf unebenem Waldboden, Klettern über Wurzeln oder umgefallene Bäume und das Laufen auf einem vom Regen durchnässten, matschigen Weg. Hinzu kommen vielfältige Sinneswahrnehmungen des Kindes: an einem Tag entsteht ein kleiner Bach auf dem Weg, gesäumt von vielen Regenwürmer. Die Dornen, die in den Weg hängen entwickeln nach und nach Waldbeeren zum Essen oder die Stelle, an der die Kinder täglich über den umgefallenen Baum klettern zeigt eine immer tiefer werdende Kuhle.

 

Wiederholen sich die Erlebnisse auf dem Weg?

Arne: Nein, jeder Weg ist anders – jeden Tag, obwohl die Kinder und die Rituale dieselben bleiben. Manchmal sind wir schnell unterwegs, ein anderes Mal brauchen wir mehr Zeit. Es gibt Tage, an welchen wir nicht am Waldplatz ankommen, sondern auf dem Weg den Morgenkreis machen und frühstücken.

Der Ideenreichtum der Kinder wird intensiv angeregt auf dem Weg. Sie beschäftigen sich mit allem, was sie sehen und entdecken jeden Tag etwas Interessantes. Im Frühsommer warten die Kinder warten bis der Mais auf dem Feld am Wegesrand so groß gewachsen ist, damit sie durch die Reihen laufen können. Wenn er abgemäht ist gehen sie zur Abkürzung quer übers Feld und nach dem Pflügen ist klar, dass sie wieder auf dem Weg bleiben.

 

Wie wirkt sich das Wandern auf die seelische Gesundheit der Kinder aus?

Ich erlebe den Weg als gemeinsame Reise mit den Kindern. Gerade beim Laufen kann eine innere Ordnung entstehen und wenn wir angekommen sind, ist meist alles wieder an der richtigen Stelle. Aber es gibt natürlich auch Tage, an denen das nicht so ist.

Es entstehen freilassende Zweiermomente durch Erzählungen des Kindes, das an meiner Hand läuft. Gerade, wenn ein Kind Auffälligkeiten mitbringt können wir in dieser Weise ein Stück Wegs gemeinsam gehen. Ich erlebe das Laufen als gemeinsame Tätigkeit ohne festes Angebot der Erziehenden: die Kinder können so sein, wie sie wollen.

 

Erlebst Du eine Veränderung bei den Kindern während dieser Form der Kindergartenzeit?

Arne: Die Eltern melden zurück, dass die Kinder schnell eine Kondition und Ausdauer im Laufen entwickeln. Das Laufen gehört für sie zum Alltag dazu. Und nachmittags sind sie ausgepowert und spielen am liebsten zuhause.

Ich selbst schätze die Freiheit, die ich an den Kindern erlebe. Er ist eine Wonne, wenn sie in Matschpützen herumstiefeln oder im Laufen etwas Entdecken und ins Spiel übergehen. Das Laufen ist für die Kinder bereits Spielen.

Susanne Vieser